Unser Motto für die Pride-Saison 2026 ist ein klares politisches Statement, aber auch ein gesellschaftlicher Appell. Mit „Ohne Uns kein Wir! Füreinander laut, miteinander stark.“ wollen wir deutlich machen: Queere Menschen sind kein Randthema, sondern ein selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft. Unsere Vielfalt, unsere Lebensrealitäten und unsere Themen gehören in die Mitte der Menschen – sichtbar, hörbar und vor allem: geschützt. Unser Motto steht für Solidarität innerhalb der Community und weit darüber hinaus. Denn nur gemeinsam können wir den aktuellen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen entschlossen entgegentreten.
Diese Herausforderungen sind real und sie dürfen nicht hintenangestellt oder als nebensächlich angesehen werden. Viele Kommunen stehen unter massivem finanziellem Druck. Sparmaßnahmen treffen dabei häufig zuerst soziale, kulturelle und zivilgesellschaftliche Strukturen – und damit auch queere Beratungsstellen, Vereine und Projekte.
„Gerade diese Angebote sind jedoch unverzichtbar: Sie bieten Schutzräume, Beratung in Krisensituationen, Unterstützung für queere Jugendliche, Anlaufstellen für queere Geflüchtete, Regenbogenfamilien und ältere queere Menschen. Sie schaffen Gemeinschaft und retten im Zweifel Leben. Wer hier kürzt, gefährdet Sicherheit, Teilhabe und Menschenwürde.“
Gleichzeitig erleben wir eine Zunahme von Hasskriminalität und queerfeindlicher Gewalt. LGBTQIA*-Menschen werden beleidigt, bedroht und angegriffen – auf der Straße und im Netz, bei der Arbeit, in der Schule, in der Politik. Im Jahr 2023 zählte die Statistik 165, im Jahr 2024 insgesamt 212 angezeigte Fälle. Beleidigungen, Beschimpfungen, Körperverletzung. Eine Zunahme um 30 Prozent. Besonders gravierend ist dabei: Viele Taten bleiben ungestraft. Sie werden nicht angezeigt, nicht eindeutig erfasst oder nicht als queerfeindlich anerkannt. Das verzerrt die Realität, bagatellisiert Gewalt und verhindert wirksamen Schutz.
Deshalb fordern wir, dass Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen in Baden-Württemberg weiterhin differenziert und landesweit einheitlich statistisch erfasst wird. Nur wer das Ausmaß kennt, kann wirksam handeln. Eine verlässliche Datengrundlage ist Voraussetzung für Prävention, gezielte Schutzmaßnahmen, Sensibilisierung von Polizei und Justiz sowie für politische Verantwortung. Gleichzeitig müssen Täter*innen konsequent strafrechtlich verfolgt werden. Queerfeindliche Gewalt ist kein Kavaliersdelikt – sie ist ein Angriff auf die Freiheit, Sicherheit und Gleichberechtigung unserer vielfältigen Gesellschaft.
Ein zentraler Baustein für diesen Schutz ist der Aktionsplan für Akzeptanz und gleiche Rechte in Baden-Württemberg. Er ist kein freiwilliges Zusatzprojekt, sondern ein politisches Versprechen an queere Menschen im Land. Dieser Aktionsplan schafft Strukturen, fördert Aufklärung, unterstützt Beratungsangebote, stärkt Präventionsarbeit und vernetzt Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik. Seine Fortführung und vor allem seine finanzielle und politische Absicherung sind unerlässlich.
„Wer den Aktionsplan schwächt, sendet das fatale Signal, dass queere Sicherheit und Gleichberechtigung verhandelbar seien. Anerkennung und Unterstützung dürfen jedoch nicht von Haushaltslagen abhängen.“
Wir fordern eine nachhaltige, verlässliche Finanzierung queerer Beratungs-, Bildungs- und Vereinsstrukturen – auch und gerade in finanziell schwierigen Zeiten. Wir fordern einen starken, unmissverständlichen rechtlichen Schutz: Queere Menschen müssen ausdrücklich in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden. Nur so wird Gleichberechtigung nicht nur versprochen, sondern verbindlich garantiert. Die politischen Vertreter*innen aus Baden-Württemberg müssen sich für diesen Schutz einsetzen, im Land und im Bund.
Die Stuttgart PRIDE soll im Jahr 2026 für Zusammenhalt, Sichtbarkeit, Sicherheit und vor allem für Entschlossenheit stehen. Wir setzen uns füreinander ein, wenn andere es nicht tun. Wir sind miteinander stark, wenn unsere Rechte infrage gestellt werden. Ohne uns kein Wir – und ohne Solidarität keine gerechte Zukunft.

