„Nie wieder still! Laut für Freiheit, stark für Vielfalt“ – So lautet das Motto der diesjährigen Stuttgart PRIDE. Das Motto ist Teil der bundesweiten CSD-Kampagne, die Anfang des Jahres gestartet ist – anlässlich der Bundestagswahl. Nach der Wahl geht die Bundeskampagne jetzt unter dem Motto „Nie wieder still!“ in die zweite Runde.
„Die Wahlergebnisse haben bestätigt, was wir schon lange befürchtet haben: Deutschland rückt politisch und gesellschaftlich weiter nach rechts! Bei der Bundestagswahl am 23. Februar haben viele Menschen ihre Stimmen Parteien gegeben, die angekündigt hatten, rechtliche Errungenschaften queerer Menschen zurücknehmen zu wollen. Das zeigt, dass auch innerhalb der Community die Meinungen gespalten sind. Dabei sollten wir uns geschlossen gegenseitig unterstützen, denn es geht um uns alle!“
Kernforderungen an eine neue Bundesregierung
Die Kampagne der bundesweiten CSD-Bewegung formuliert drei Kernforderungen an die Politik, denen wir uns als Stuttgart PRIDE angeschlossen haben: Queere Menschen durch das Grundgesetz in Artikel 3 Abs. 3 besser schützen, die finanzielle Absicherung unserer Community- und Beratungsstrukturen und Hasskriminalität und Hatespeech gegen queere Menschen wirksam bekämpfen.
In einer möglichen Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD stehen sich die Parteien beim Thema Queerpolitik uneins gegenüber. Die Union forderte eine Rücknahme des Selbstbestimmungsgesetzes der Ampel-Koalition, das trans Menschen ermöglicht, die Vornamen und den Geschlechtseintrag selbstbestimmt auf dem Standesamt zu ändern. Auch die AfD, die zum ersten Mal zweitstärkste Kraft bei einer Bundestagswahl wurde, forderte die Rücknahme des Selbstbestimmungsgesetzes. Eine Beschlusslage der AfD-Fraktion sieht sogar die Abschaffung der „Ehe für Alle“ vor.
Die SPD schrieb im Wahlprogramm: „Ein Zurück wird es mit uns nicht geben“. Sie bezog dies auf queere Errungenschaften, unter anderem das von ihr miteingeführte Selbstbestimmungsgesetz. Darüber hinaus formulierte die SPD weitere rechtliche Verbesserungen für die queere Community, unter anderem eine Reform des Abstammungsrechtes für Regenbogenfamilien und die Ergänzung des Art. 3 Abs. 3 im Grundgesetz um die sexuelle Identität. Wer sich innerhalb der Koalitionsverhandlungen durchsetzen wird, ist noch völlig unklar. Realistisch ist, dass es in der kommenden Legislaturperiode zu keiner weiteren Verbesserung und Gleichstellung für queere Menschen kommen wird.
Das nehmen wir nicht hin! Eine gerechte Gesellschaft ist nur möglich, wenn queere Menschen und andere marginalisierte Gruppen völlig gleichgestellt sind. Wir kämpfen weiter und lassen uns nicht unsichtbar machen. Wir sind laut für Freiheit und stark für Vielfalt!
Die diesjährige Schirmperson der Stuttgart PRIDE, der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart 1893 AG, Alexander Wehrle, schrieb dazu in seinem Grußwort zum CSD-Neujahrsempfang am 8. Februar: „In einer Zeit, in der politische und gesellschaftliche Kräfte versuchen, Akzeptanz und Gleichberechtigung zurückzudrängen, ist es wichtiger denn je, laut und sichtbar zu bleiben.“
Deutschlandweit beteiligen sich 45 CSDs: Sichtbar und laut bleiben
Mehr als 120 CSDs in ganz Deutschland gehen 2025 mit ihren individuellen und starken Mottos auf die Straße, mehr als 45 davon verbunden unter unserem gemeinsamen Ruf „Nie wieder still!“. Das Motto ist ein Versprechen, das wir uns selbst und aneinander geben. Wir schweigen nicht mehr, wenn unsere Rechte zu bloßer Verhandlungsmasse degradiert werden. Wir schweigen nicht, wenn man uns übersieht oder überhört. Wir waren, wir sind und wir bleiben ein Teil dieser Gesellschaft.
Wir als Stuttgart PRIDE stehen dafür als sichere Anlaufstelle ein – egal ob lesbisch, schwul, bi, trans, nonbinär, inter, asexuell oder einfach: queer. Unsere Veranstaltungen sollen einen sicheren Ort bieten, an dem sich alle Menschen wohlfühlen und so sein können, wie sie sind.
Die CSD-Kulturwochen finden in diesem Jahr vom 11. bis 27. Juli unter dem Motto „Nie wieder still! Laut für Freiheit, stark für Vielfalt.“ statt. Nach dem CSD-Empfang im Stuttgarter Rathaus am 11. Juli zieht die CSD-Demonstration am 26. Juli durch die Stadt und endet mit der CSD-Kundgebung am Schlossplatz. Im Anschluss findet am 26. und 27. Juli die CSD-Hocketse mit Infomeile, das Straßenfest zur Stuttgart PRIDE, auf dem Markt- und Schillerplatz statt.
Nach „Wähl Liebe!“ setzen wir jetzt ein weiteres starkes und deutschlandweit gemeinsames Zeichen: Wir werden gehört – laut, deutlich und unüberhörbar. Wir stehen solidarisch zusammen, zeigen Präsenz, kämpfen für unsere Rechte und feiern unsere Vielfalt.